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Von BookTok und Dostojewski: Prof. Dr. Gerhard Lauer erklärt, wie junge Menschen eine neue literarische Öffentlichkeit schaffen

Der Buchmarkt verändert sich rasant. Wie das mit Social Media, aber auch mit Literaturklassikern zusammenhängt, erklärte der Johannes-Gutenberg-Professor bei der Vortragsreihe des Oberlandesgerichts Celle.


2023 gab es bei der Frankfurter Buchmesse einen großen Andrang. Insbesondere junge Menschen strömten in die Messehallen und viele fragten sich. Was ist da los? BookTok war los. Unter anderem dieses Phänomen erforscht Prof. Dr. Gerhard Lauer an der Universität Mainz. Bei der Vortragsreihe des Oberlandesgerichts Celle berichtete der Professor für Buchwissenschaft und Leseforschung, wie junge Leserinnen und Leser neuerdings den Buchmarkt demokratisieren und warum das auch Literaturklassikern zu neuen Hypes verhilft.

Zwar werde insgesamt weniger gelesen, doch bei den 16- bis 29-Jährigen verzeichne man große Zuwächse im Verkauf, sagt Prof. Dr. Gerhard Lauer. Young Adult, Romantasy, Dark Romance: Die Liste der neu definierten Genres auf dem Buchmarkt ist lang. Videos über ein besonders erfolgreiches Buch erhalten auf der Plattform TikTok Milliarden Aufrufe. Gleichzeitig gibt es hochwertige Farbschnitte und Verzierungen. Bücher würden nicht mehr nach Autorinnen und Autoren, sondern nach Farbe sortiert oder mit den Schnittkanten nach vorne in die Regale gestellt. „Wir haben die Digitalität drumherum und in der Mitte das Buch – und das wird gefeiert ohne Ende.“ Das gemeinsame Lesen auf Social Media, aber auch in den vielen Buchclubs schaffe zudem Gemeinschaft. „Man macht es nicht allein.“

Vortragsreihe im OLG Celle: Von Büchern und Trends

„Wir sind in einer Situation, in der sehr viel Zeit, Geld und Aufmerksamkeit für das Buch aufgewandt wird, und zwar von Menschen, die nach einem klassischen Verständnis kein Mandat dazu haben.“ Autorinnen von Fanfiction bis hin zu Dichterinnen auf Instagram: Hauptsächlich seien es junge Frauen, die viel lesen, aber auch selbst teils sehr erfolgreich schreiben. „Es ist nicht das, was das Feuilleton klassischerweise erwartet.“

Die Buchmessen haben längst eigene Hallen für die beliebten Genres eingerichtet. „Junge Menschen sind diejenigen, die den Buchmarkt vor sich hertreiben“, sagt Prof. Dr. Gerhard Lauer. Die neue Öffentlichkeit schafft also Gemeinschaft, sie demokratisiert auch den Buchmarkt. Aber was bedeutet das für die klassische Literatur? „Sollte Schiller aus den Schulen verbannt werden?“, fragt die Präsidentin des Oberlandesgerichts Celle Stefanie Otte zum Abschluss der Veranstaltung. Das zumindest hatte ein Literaturkritiker vor Kurzem gefordert.

Beides könne nebeneinander existieren, sagt Prof. Dr. Gerhard Lauer. Die neuen Trends eröffneten auch einen Zugang für junge Leserinnen und Leser. „Sie lernen darüber, wie eigentlich Literatur funktioniert“, sagt er. Erst kürzlich gab es ein Comeback von Fjodor Dostojewskis Novelle „Weiße Nächte“ auf BookTok. „Wir haben auch nicht alle mit James Joyce angefangen.“

Vortragsreihe des OLG Celle geht in die Sommerpause

„Uns bleibt nach diesem Abend auf jeden Fall eins: die Freude am Lesen", sagt die Präsidentin des Oberlandesgerichts Celle. „Wer sich noch nicht entschieden hat, ob Romantasy oder Hesse, der kann die Sommerpause der Vortragsreihe für weitere Recherchen zu dem Thema nutzen", so Stefanie Otte. „Im Herbst gibt es dann wieder spannende Vorträge, die viel Raum zum Nachdenken geben werden."

Über das neue Programm der Vortragsreihe nach der Sommerpause informiert das Oberlandesgericht Celle rechtzeitig auf seiner Homepage und über den Kulturnewsletter.



Ansprechpartnerin zu dieser Mitteilung:

Alina Stillahn

- Pressereferentin und stellvertretende Pressesprecherin -

Tel.: 05141 206165


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Vortragsreihe im Oberlandesgericht Celle: Prof. Dr. Gerhard Lauer berichtet von BookTok und Klassikern

Artikel-Informationen

erstellt am:
20.03.2026

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